Dieses erste Werk Michelangelos, 1972 bei einem Attentat beschädigt, ist nach den Restaurierungsarbeiten hinter Panzerglas wieder in derselben Kapelle aufgestellt worden.
Der junge Künstler kam im Alter von wenig mehr als zwanzig Jahren nach Rom und brachte einige Werke mit, die er am Hof Lorenzos des Prächtigen, seines Florentiner Förderers, geschaffen hatte, und das Werk wurde bei ihm vom Kardinal Saint Denis in Auftrag gegeben, dem Französischen Botschafter.
Das Thema der Pietà war nicht neu und schon gar nicht in der nordeuropäischen Skulptur, aber Michelangelo interpretierte es völlig neu, indem er zwei lebensgroße Figuren mit jugendlichen, fast alterslosen Gesichtern schuf. Der Haltung der linken Hand der Jungfrau entspricht die traurige, aber gefasste Resignation des jugendlichen Gesichts.
Tragik und Schmerz werden durch das Gewand verstärkt, das sich an den Oberkörper der Jungfrau anschmiegt, wo sich in der Mitte die Signatur des Künstlers befindet, und von den ausgebreiteten Falten im unteren Teil. Der leblose und - wie dies bei einem Toten normal ist - unproportionierte Körper Christi scheint von den Beinen Marias eben hochgehalten zu werden. Nach diesem außergewöhnlichen Werk, das von Michelangelo mit 23 Jahren geschaffen wurde, ging die Karriere des Meisters ununterbrochen bis zu seinem Tod im 89 Lebensjahr weiter.